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Reise nach Schottland

Edinburgh – Auf den Spuren Fontanes durch SCHOTTLAND

Vom 16. bis 20. August 2017 war der Theaterring mit einer Gruppe von 20 Personen auf den Spuren Theodor Fontanes durch die schottischen Low- and Highlands. Nach Ankunft am Flughafen stand eine Stadtrundfahrt durch Edinburgh auf dem Programm, wo wir u.a. das Westend, die Flaniermeile Princes Street sowie die Alt- und Neustadt mit ihren eleganten georgianischen Häusern zu sehen bekamen. In einer Querstraße im Charlotte Square, der Castle Street, in der New Town lebte der Schriftsteller Sir Walter Scott (Rob Roy, Ivanhoe) der mit seinen Romanen Fontane inspiriert hatte, viele Jahre im Haus Nr. 39. Außerdem besichtigten wir die imposante Burganlage auf dem Castle Rock (Edinburgh Castle) sowie die königliche Residenz Holyrood Palace.

Die ersten beiden Tage waren vorgesehen, die Stadt Edinburgh mit ihren kulturellen Höhepunkten kennenzulernen. Alljährlich im August findet in Edinburgh das größte Kulturevent der Welt statt, das Edinburgh Festival mit über 2000 Veranstaltungen, die von etwa 2 Mio. Kulturfans besucht werden. Abend für Abend kommt es dann auf der Esplanade vor Edinburgh Castle zum Great Tattoo, zum großen Zapfenstreich, bei dem zwei Stunden lang Dudelsackkapellen aus aller Welt spielen. Auch ein Großteil von unserer Gruppe hat an dieser Veranstaltung teilgenommen. Zu unserer Ehr wurden wir nicht nur über die Lautsprecheranlage vor allen Gästen begrüßt, auch Prinz Charles und sein Sohn William nahmen an diesem Event teil – möglicherweise ebenfalls zu Ehren des Theaterrings aus Darmstadt… Schon bevor es derartige Großveranstaltungen gab, nannte Theodor Fontane die schottische Metropole bewundernd „Athen des Nordens“ wegen der mediterranen Stimmung in der Stadt an sommerlich-schönen Tagen.

Am 2. Tag unternahmen wir einen Ausflug in die Region Borders an der Grenze zu England. Die Borders sind eine Region mit verträumten Dörfern, geschäftigen Textilstädten, sattgrünen Weideflächen und ausgedehnten Wäldern und Hügelketten. Über 160 km lang schlängelt sich der River Tweed durch die Landschaft. Die Region war lange Zeit Schauplatz schrecklicher Kämpfe – davon zeugen noch heute die Ruinen der Wehrtürme aus dem 16. Jh. Nach dem Abbotsford House (1812), dem vom Schriftsteller Walter Scott selbst entworfenen Wohnhaus, besuchten wir ebenfalls mit einer Führung das Zisterzienserkloster Melrose Abbey (1136) inmitten des reizvollen kleine Städtchens Melrose. Mit Scott dichtete Fontane: „Und willst du des Zaubers sicher sein/So besuche Melrose bei Mondenschein“.

Am Abend besuchten wir eine weitere Festspielaufführung im Rahmen des Edinburgh-International-Festivals: Die Krönung der Poppea als konzertantes Stück in der Usher Hall. Ein Highlight für jeden Opernliebhaber!

Am dritten Tag verließen wir Edinburgh und reisten weiter in das westliche Hochland Schottlands, zum Loch Leven. Der eigentümliche Zauber des Loch Leven etwa begeisterte schon Theodor Fontane. Im Glassin Tower im Loch Leven Castle wurde Maria Stuart ein Jahr lang  unter Hausarrest bei dem Douglas-Clan gestellt, bevor sie zur Hinrichtung nach England gebracht wurde. Die abenteuerliche, nasse Fährüberfahrt von dem Ort Ballachullich zum Loch Leven werden einige von unserer Gruppe in guter Erinnerung behalten. Von da aus ging unsere Fahrt weiter nach Perth, das bis 1452 Hauptstadt von Schottland war,  mit einer Besichtigung des nahegelegenen Scone Palace, wo zu der Zeit die schottischen Könige gekrönt wurden. Zuvor gab es einen Stopp in Pitlochry und die Möglichkeit zu einer Whiskyverkostung in der kleinsten schott. Destillery Edradour, gegründet 1825. Die Brennerei liegt verborgen von umliegenden Bergen in einem kleinen Tal östlich von Pitlochry. Am Abend bezogen wir unsere zweite Unterkunft in Aviemore, einem gefragten Zentrum für Wintersport und Wanderfreunde im Tal des River Spey.

Am 4. Tag unternahmen wir einen Tagesausflug an die Nordwestküste, quer durch die Highlands zu den Inverewe Gardens. Die Gärten gehören zu den schönsten in Schottland. Angelegt wurde die ca. 20 Hektar große Anlage von Osgood Mackenzie, der sich nicht nur einen Traum erfüllen, sondern auch beweisen wollte, dass in Schottland tropische Pflanzen gedeihen, was ihm mit Hilfe des Golfstromes gelang. Auf der Rückfahrt mit einem Stopp in Inverness, der Hauptstadt der Highlands, ging es zum legendären Loch Ness und mit dem Schiff weiter bis zum Urquhardt Castle, eine der ältesten Ruinen in ganz Schottland, ein beliebter Aussichtspunkt über Loch Ness und für alle „Nessi“-Beobachter.

Der 5. und letzte Tag unserer Schottland-Reise brachte uns nach Stirling, dem „Heart of Scotland“, wie es oft genannt wird. Durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass das kleine Städtchen am River Forth wiederholt feindlichen Truppen den Weg in die Highlands und damit ins eigentliche Zentrum des Landes verstellte. Sieben Schlachten tobten von 1297 bis 1766 in und um Stirling zwischen englischen und schottischen Kontrahenten.  Wir genossen einen prachtvollen Ausblick auf das Städtchen samt Umland vom Stirling Castle aus sowie die Besichtigung der sehenswerten Befestigungs-anlage mit den schönsten Renaissancebauten in Schottland. Von hier fuhren wir weiter zum Linlithgow Castle, in dem Maria Stuart am 05. Dezember 1542 geboren wurde. Der majestätische Königspalast der Stewarts mit der 1242 gegründeten Pfarrkirche St. Michael ist heute eine romantische Ruine. Geschichtsträchtig sind vor allem der Queen Margret´s Tower und der figurenreiche Brunnen im Innenhof. Beides hat bereits Fontane in seinem Reisebericht sehr beeindruckt. Danach fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen Edinburgh und beendeten die Reise mit dem Rückflug nach Frankfurt.

Inspiration zu unserer Schottlandreise war der Reisebericht von Theodor Fontane, zusammen gestellt in seinem Buch „Jenseits des Tweed – Bilder und Briefe aus Schottland“. Von 1855 bis 1859 lebte Theodor Fontane als Auslandskorrespondent in London. Von dort aus unternahm er als 40-jähriger eine Reise nach Schottland. Am 9. August 1858 bestieg Fontane mit seinem Freund Bernhard von Lepel in London den Nachtzug nach Edinburgh. Schon als Jugendlicher war Fontane, inspiriert durch Shakespeares Stücke und Walter Scotts Romane, von der schottischen Geschichte begeistert. In nur 16 Tagen absolvierte er eine für die damalige Zeit beachtliche Reise an all jene Orte, die ihm durch die großen Dichter bereits vertraut waren. Fasziniert von der kargen, aber reizvollen Landschaft und den geschichtsträchtigen Schauplätzen, verfasste Fontane seinen unterhaltsamen Reisebericht „Jenseits des Tweed“, der auch heute noch jeden modernen Reiseführer übertrifft – wenn auch sich mittlerweile seit seiner Zeit einiges sehr verändert hat. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, die grandiosen Schauplätze schottischer Geschichte auf den Spuren des großen Schriftstellers kennen zu lernen. (rf)